Archiv BMW 3er Touring
Monatsberichte 2008

Monatsbericht November 2008


Erneutes Auswuchten bringt nur geringe Linderung. Auch der Profi kann das Problem nur teilweise lösen. Ursachenanalyse. Früher Wintereinbruch. Ein Nachfolger kündigt sich an.

Starker Schneefall lässt den Dreier unter einer Haube aus Schnee verschwinden. Erneutes Auswuchten bringt nur geringe Linderung

05.11.2008, Kilometer: 108.910.

Wie im letzten Monatsbericht beschrieben, nehme ich heute einen Folgetermin bei Vergoelst in Bonn wahr, durch den die Fahreigenschaften des Dreiers optimiert werden sollen. Nachdem ich den Kollegen die Kurzfassung der Historie meiner Probleme mit den seitenwandverstärkten Reifen auf diesem Fahrzeug geschildert habe, teilt man mir jedoch mit, dass man sich von einem weiteren Wuchtvorgang keine Verbesserung verspricht und deshalb direkt darauf verzichten möchte. Auf meine Frage, wie denn dann eine Linderung der Unruhe im Fahrzeug herbeigeführt werden solle, schlägt man mir vor, eine Probefahrt mit dem Meister zu unternehmen. Ich weise darauf hin, dass dies bereits im Frühjahr so versucht wurde und das Ergebnis auch damals nicht zufrieden stellend war.

Darauf untersucht der Meister zunächst die Reifen durch Abtasten — und weist mich auf eine Sägezahnbildung an den beiden, nicht gewechselten Vorderreifen des Fahrzeugs hin, die nach seiner Aussage zu der Unruhe beitragen könne. So verzichten wir auf die Probefahrt, stattdessen werden auch diese beiden Reifen gewechselt.

Der Dreier wieder einmal auf der Bühne bei Vergoelst in Bonn.
Der Dreier wieder einmal auf der Bühne bei Vergoelst in Bonn.

Ja, die Unruhe im Fahrzeug ist danach geringer. Nein, ganz verschwunden ist sie immer noch nicht. Nach den leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit ist meine Überraschung über diesen Sachverhalt jedoch gering. Nach einem Tag Ausprobieren entschließe ich mich daher dazu, erneut den Profi in Köln aufzusuchen, der mir im Frühjahr bereits weitergeholfen hat. Für den 11. November vereinbare ich mit Frank Döring einen Termin zur Reifenoptimierung in seinem Fachbetrieb — diesmal sogar mit vorheriger Freigabe durch unser Fuhrparkmanagement, die dem trotz der demnächst anstehenden Auswechslung des Fahrzeugs schließlich zustimmen.

Auch der Profi kann das Problem nur teilweise lösen

11.11.2008, Kilometer: 109.442.

Am Morgen des 11. November werde ich von Frank Döring, dem Inhaber des Neues Fenster. Reifendiensts West in Köln, schon wie ein "Stammgast" begrüßt. Die Formalitäten sind schnell erledigt, das Problem wird noch einmal geschildert, und dann verlasse ich mit dem Werkstattersatzfahrzeug, einem Toyota Yaris, das Gelände. Die Erwartungen sind hoch, hoffentlich können die Profis auch diesmal das Fahrwerk des 320d beruhigen.

Werkstattersatzfahrzeug Toyota Yaris mit Werbeaufdruck.
Diesmal hält mich der Yaris des Reifendiensts West mobil.

Leider hat Herr Kärcher, der mir am Nachmittag desselben Tages bei der Fahrzeugabholung den Schlüssel für den BMW wieder aushändigt, für mich diesmal nur bedingt gute Nachrichten: Zwar wurden die Reifen wie im Frühjahr demontiert und rückgeformt und nach Vermessung der Felge mit einem speziellen Verfahren aufgebaut und feingewuchtet. Herr Döring, der die abschließende Testfahrt wieder einmal persönlich vorgenommen hat, war mit dem Ergebnis allerdings nur bedingt zufrieden. Auf der Rechnung finde ich den Vermerk "Felge HR krumm! Ergebnis aufgrund der geringen Qualität von Reifen und Felge nur befriedigend."

Herr Kärcher erläutert mir den Sachverhalt genauer. Wie das Messprotokoll zeigt, hat die an meinem Fahrzeug hinten rechts verbaute Felge einen Felgenlauffehler von 0,72 mm, der zu radialen Kraftschwankungen in einer Größenordnung von 120 Nm führt. Kräfte in einer Größenordnung bis etwa 50 Nm würde man als "Normalfahrer" nicht bemerken — Kräfte diesen Ausmaßes jedoch schon. Herr Döring bestätigt, dass er alles versucht habe, die dynamische Unwucht zu minimieren, eine "krumme" Felge aber natürlich nicht begradigen könne. Qualitativ höherwertige Felgen ließen sich nicht nur besser auf der Achse zentrieren, sondern wiesen typischerweise auch deutlich geringere Lauffehler auf. Bei dieser Radkombination sei nun jedoch das Optimum erreicht.

Ursachenanalyse

Herr Döring hat wieder einmal recht: Die Laufeigenschaften der Räder sind gefühlt noch ein kleines bisschen besser geworden, vom Zustand der Perfektion aber definitiv noch ein ganzes Stück entfernt. Leider muss ich mit diesem "Murks" nun wohl leben, will ich nicht erneut Geld für bessere Felgen in die Hand nehmen — was ich angesichts der anstehenden Ablösung des Fahrzeugs definitiv nicht will.

Ich nehme dies zum Anlass für ein ganz persönliches Fazit, mit der ich dieses Thema dann voraussichtlich auch abschließen werde. Hier nun also eine Zusammenfassung der Verursacher und Faktoren, die nach meiner Auffassung zu den derzeit nicht voll befriedigenden Fahreigenschaften meines 320d beitragen:

Der Fahrzeughersteller BMW durch:

  • Straffe Abstimmung und Optimierung des Fahrwerks auf gute Straßenlage bei hohen Geschwindigkeiten unter Inkaufnahme eines schlechteren Abrollkomforts
  • Kombination von seitenwandverstärkter Bereifung mit sensibel einzustellendem und abrollendem Fahrwerk
  • Verbau von Federungselementen mit ungenügender Sensibilität, um von den Reifen ausgehende Krafteinflüsse zu neutralisieren

Der Reifenhersteller Continental durch:

  • Entwicklung und Inverkehrbringen von Reifen, die bezüglich bestimmter Attribute (hier: Nutzbarkeit bei einer Reifenpanne) verbesserte Produkteigenschaften mit einer Verschlechterung bestimmter anderer Eigenschaften (hier: Abrollkomfort und Dämpfungseigenschaften) verbinden

Der Felgenhersteller Proline-Wheels durch:

  • Fertigung von Felgen, die bereits im Auslieferzustand erhebliche Felgenlauffehler aufweisen, dadurch entsprechende Kraftschwankungen auslösen und die Fahreigenschaften spürbar verschlechtern (Felge "PV")
  • Fertigung von Felgen, die offensichtlich nicht den durch seitenwandverstärkte Reifen erhöhten Festigkeitsanforderungen genügen und damit nicht ausreichende Dauerlaufeigenschaften aufweisen (Felge "PM")

Der Reifendienst Vergoelst durch:

  • Unzureichende Schulung der Mitarbeiter in den erhöhten Anforderungen, die durch seitenwandverstärkte Bereifung bezüglich Reifen- und Radmontage gestellt werden müssen
  • Unzureichende Ausstattung der Filialbetriebe mit dem für eine Eliminierung von Kraftschwankungen erforderlichen Equipment

Das Fuhrparkmanagement meines Arbeitgebers durch:

  • Auswahl kostengünstiger Felgen mit unzureichender Materialqualität und ungenügender Zentriermöglichkeit auf der Achse
  • Verzicht auf das Auswuchten der Räder beim turnusgemäßen Radwechsel im Frühjahr und Herbst
  • Auswahl einer Reifendienstkette, die lediglich über Standardequipment und "normale" Kenntnisse im Auswuchten von Reifen und Abstimmen auf das Fahrzeug verfügt

Der Fahrzeugnutzer (ich selbst) durch:

  • Hohe Sensibilität für Fahrwerksunruhen
  • Hohe Ansprüche an den Abrollkomfort eines der Mittelklasse zuzuordnenden Fahrzeugs der aktuellen Modellgeneration eines Premium-Herstellers

Ich habe bereits einige Leserzuschriften zu diesem Thema per Email erhalten, die meine Erfahrungen auf verblüffende Weise bestätigen, bin aber nach wie vor an einem Erfahrungsaustausch interessiert und würde mich über weitere Zuschriften von Lesern sowie entsprechende Forenbeiträge sehr freuen.

320d auf dem Parkplatz der Raststätte Lichtenbusch / Aachen auf meiner "Hausstrecke" im November 2008.
320d auf dem Parkplatz der Raststätte Lichtenbusch / Aachen auf meiner "Hausstrecke" im November 2008.

Ein Nachfolger kündigt sich an

17.11.2008, Kilometer: 110.198.

Wie in diesem Bericht bereits mehrfach angeklungen, steht nun doch — anders als noch im September angedeutet — in Kürze die Ablösung des 320d touring durch das Nachfolgemodell oder ein Konkurrenzprodukt an. Auslöser ist eine Diskussion mit unserem Fuhrparkmanagement am 17. November, in deren Verlauf mir bestätigt wird, dass das Fahrzeug bei einem Kilometerstand von 120.000 getauscht werden sollte. Bei einer monatlichen Fahrleistung von gut 4.000 km sind das nurmehr zwei weitere Monate, mithin wird es Zeit, sich über das Nachfolgefahrzeug Gedanken zu machen. Eine Entscheidung wird wohl im Dezember 2008 getroffen, ich werde hier berichten.

Früher Wintereinbruch

23.11.2008, Kilometer: 110.667.

Am Abend des Sonntags überzieht starker Schneefall das Rheinland und führt zu einer mehrere Zentimeter hohen geschlossenen Schneedecke — ungewöhnlich früh für die örtlichen Verhältnisse, dauerte es zum Beispiel im letzten Winterhalbjahr noch bis Februar, bis der 320d zum ersten Mal in der Saison mit Schnee in Berührung kam. An diesem Abend muss ich jedoch keine längeren Strecken mehr zurücklegen, und am nächsten Morgen ist die weiße Pracht zum Großteil bereits wieder verschwunden — schade.

Starker Schneefall lässt den Dreier unter einer Haube aus Schnee verschwinden.
Starker Schneefall lässt den Dreier unter einer Haube aus Schnee verschwinden.

Zusammenfassung.

31.11.2008, Kilometer: 111.615.

Dieser Langzeittest nähert sich allmählich seinem Ende. Wären da nicht die Probleme mit der Bereifung, die sich wie ein roter Faden durch die Berichte ziehen, hätte ich an dem 320d nichts, aber auch gar nichts auszusetzen. So werde ich mir allerdings sorgfältig überlegen, ob ich auch beim Nachfolger wieder auf die Marke BMW setze oder diesmal ein Konkurrenzprodukt auswähle. Die Leser des Langzeittests werden es in Kürze erfahren!

Probleme: Unruhe im Fahrwerk nach Montage der Winterreifen. Alle vier Felgen der Winterräder verzogen [beim Hersteller reklamiert].
Der aktuelle Durchschnittsverbrauch über gesamte Laufleistung liegt bei: Neues Fenster. Verbrauchsberechnung bei Spritmonitor.de. (Details zeigt der Link)